| Sonnenaufgang am Tag des Projekt-Starts |
Wie alles begann ...
Genau vor einer Woche, am Sonntag den 18.9.2015 wusste ich noch nichts von meinem Entschluss, den ich am Abend treffen sollte. Geplant war ein kurzer Besuch bei meiner besten Freundin - ich wollte etwas abholen - geworden ist ein ausgiebiger Schlemmer-Nachmittag mit vielen Köstlichkeiten. Als dann noch Kekse und Kuchen auf den Tisch kamen, waren auch die ratz fatz verputzt, obwohl die Hose bereits spannte und der Bauch sich weit nach vorne wölbte. Doch etwas Süßes nach dem Essen geht immer und gehört irgendwie einfach dazu. Anschließend saßen wir beinahe bewegungsunfähig da und das schlechte Gewissen schlich sich heimlich von hinten an.
Da kam mir eine Idee, die ich schon mehrmals - erfolglos - habe versucht, durchzuziehen: für eine gewisse Zeit auf Zucker zu verzichten. Im Zustand der absoluten Sättigkeit konnte ich meine Freundin zu allem überreden und sie willigte enthusiastisch ein. Denn auch sie war ein kleiner Zucker-Junkie. Zucker, damit meine ich weißen und braunen Rohr- und Rübenzucker, und all seine verführerischen Abwandlungen war bis jetzt unser Seelentröster, unser bester Freund in schweren Stunden, unser Lichtblick am Ende des Tages. In Maßen genossen völlig ok, doch in Übermaßen ein Riesen-Problem: viele Krankheiten lassen sich auf ungesunde Ernährung zurückführen, allen voran Diabetes, bei der die Bauchspeicheldrüse aufgrund der Zuckermengen, die täglich ins Blut strömen, irgendwann schlapp macht. Zucker führt zu Übergewicht, ist für Konzentrationsschwäche und Leistungstiefs verantwortlich und bietet Keime, Viren, Bakterien und Krebszellen einen optimalen Nährboden zur Verbreitung. Das sind nur einige der negativen Auswirkungen auf unseren Organismus.
Mein Verhältnis zu Zucker
Ich persönlich muss gestehen, dass ich an manchen Tagen Zucker - Schokolade, Kuchen, Kekse - brauche. Meine Gedanken drehen sich dann nur noch um den Geschmack von zartschmelzender Schokolade, um den befriedigenden Genuss einer wunderbar saftigen Sachertorte. Habe ich nichts dergleichen zur Verfügung werde ich unrund, schlecht gelaunt und unkonzentriert. Klingt verdächtig nach Sucht!? Schon mehrmals wollte ich das weiße Gift aus meinem Speiseplan verbannen, bin aber leider bis jetzt gescheitert. Der Heißhunger war nach einer gewissen Zeit einfach zu groß!
Deshalb, der 1. Tipp, den ich geben kann, falls jemand ebenfalls auf Zucker verzichten möchte: mach es mit einer Freundin, dem Partner oder sonst wem. Denn geteiltes Leid ist halbes Leid. Und außerdem spornt man sich gegenseitig an, motiviert sich in schwachen Momenten und ganz erhlich, wer will denn dem anderen beichten, nicht durchgehalten zu haben?
Warum verlange ich manchmal so sehr nach etwas Süßem? Aufgewachsen bin ich eigentlich sehr gesund auf dem Land mit vielen frischen Lebensmitteln, saftigen Obst und knackigem Gemüse. Vor dem Mittagessen war Süßes tabu für uns Kinder, denn damit verderbe man sich den Magen. Zu Mittag sollte etwas vollwertiges und nahrhaftes verzehrt werden und der Magen sollte nicht durch irgendwelchen Süßkram schon halb gefüllt sein. Wir hielten uns natürlich an diese ungeschriebene Regel, doch nachmittags gabs dann häufig Kuchen oder eine andere süße Kleinigkeit. Aber alles blieb in Maßen. Als ich dann älter wurde, ich zu studieren begann und erstmals alleine lebte, ließ ich den süßen Verlockungen freien Lauf. Ich konsumierte nie viel davon, aber das Hochgefühl, das mir eine eine Zimtschnecke mit fetter Zuckerglasur bescherte, war deutlich spürbar. Schon damals war mir die Auswirkung von Zuckrigem auf meine Stimmung nicht ganz geheuer.
Ich wurde älter und begann, mich mit gesteigertem Interesse dem Thema Ernährung zu widmen. Kochen wurde zu meiner großen Leidenschaft und ich achtete immer mehr darauf, mich ausgewogen, saisonal und regional zu ernähren. Ich bereite mir sehr vieles selber zu, begonnen von Aufstrichen bis hin zu Brot, wenn die Zeit dazu bleibt. Abends koche ich mir mein Mittagessen für den nächsten Tag vor, das ich im Büro dann nur noch erwärmen muss. An meiner derzeitigen Ernähurngsweise gibt es also meines Erachtens wirklich nichts auszusetzen. Doch mein süßer Zahn ist geblieben. Nach wie vor stehe ich total auf Schokolade & Co. Deshalb kommt das Projekt gerade zum richtigen Zeitpunkt.
Warum verzichte ich auf Zucker?
Das hat zwei Gründe: Einerseits bin ich gespannt, welche Auswirkungen die fehlende Zuckerflut auf meinen Körper hat. Verändert sich meine Stimmung, mein Energielevel, meine Haut, mein Gewicht dadurch? Welche Maßnahmen ergreife ich, wenn ich mal wieder einen Moment habe, in der mein Gehirn nach Süßem giert?
Andererseits ist mir durchaus bewusst, dass Zucker wie eine Droge wirkt - es gibt dazu auch unzählige Studien, die das belegen - und ich möchte aus diesem Teufelskreis aussteigen. Die Insdustrie hat uns klammheimlich abhängig gemacht, indem sie Zucker in beinahe jedes Lebensmittel mischt, selbst in solche, in denen man es am wenigsten erwartet: Essiggurken, Hummus, Saucen, Fertiggerichte. Sie macht aus uns Konsumenten ein Heer abhängiger Menschen. Ich will der kapitalistischen Industrie nicht mehr in die Hände spielen und an deren Profit-Steigerung beitragen.
Die Rahmenbedingungen
Festgeschrieben auf einem Blatt Papier und unter "Projektauftrag" tituliert, wurden die Rahmenbedingungen ausgehandelt.
Dauer: von 19.10. - 30. 11. 2015
Verzicht auf: Industriezucker, Trockenfrüchte, Marmelade, Honig
Ausnahmen: 2 Tage
Sanktionen bei Nichteinhaltung: Sozialdienst
Unterschrift drunter, und schon war das ganze amtlich. Das Projekt kann beginnen!
Neue Herausforderungen sind wunderbare Gelegenheiten, Neues über sich selbst zu erfahren.
(Ernst Ferstl)
Unser Entschluss wurde mit ein paar Stückchen Kuchen besiegelt!
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