Die zweite zuckerfreie Woche find hervorragend an. An den Wochentagen fühlte ich mich ziemlich motiviert, machte viel Sport und ernährte mich außerordentlich gesund - von Zucker weit und breit keine Spur. Doch dann kam das Wochenende: die Misere fing an und endete mit dem Geburtstagskuchen für meine Mama, den ich gebacken habe. Das Erstellen des Käsekuchens gelang noch bestens, ohne zu kosten, doch am Nachmittag, als alle gemütlich zu Kaffee und Kuchen zusammensaßen (den Kuchen, den ich vorher portioniert habe), musste ich meinen Kuchen ganz einfach probieren. Einer inneren, starken Stimme folgend, genehmigte ich mir ein klitzekleines Stückchen. Befund: hervorragend. Jeden Bissen genoss ich bis aufs Äußerste. Wie stark sich doch die Genussfähigkeit nach einer gewissen Zeit des Verzichts ändert, unglaublich.
Abgesehen von dieser kleinen "Sünde" war ich aber absolut zuckerlfrei unterwegs in Woche 2.
Was ich durch dieses Projekt - bis jetzt - gelernt habe, ist die Wertschätzung, die man vermeintlich belanglosen, alltäglichen Dingen entgegenbringt. In dem Wissen, dass dieses Stückchen Kuchen das einzige sein wird, das ich in den nächsten Wochen zu mir nehmen werde, habe ich eine kleine Zeremonie aus dem Verzehren gemacht. Ganz kleine Bissen wurden vorsichtig auf das Gäbelchen geladen und jeder Bissen wurde langsam und bedächtig gekaut. Dieses Stück Kuchen war ein kleines Highlight an diesem Tag. Mir wurde eines bewusst: In unserer Überflussgesellschaft haben viele Dinge keinen Wert mehr - sie sind ja in Massen vorhanden bzw. kann ich alles zu jeder Zeit haben. Seien es Lebensmittel oder sonstige Konsumgüter. Erst durch den bewussten Verzicht kommt die übersättigte Gesellschaft aus dem Lot und Kleinigkeiten werden plötzlich wieder rar und kostbar. Diese Erkenntnis hat mich einige Tage lang intensiv beschäftigt. Durch die Abwesenheit einer Sache / Person erhält diese für einen persönlich auf einmal einen ganz anderen Wert. Überdruss am Überfluss, diese Worte haben Wahrheits-Charakter. Doch ganz ehrlich, sich einzuschränken hat mit Anstrengung, Willenskraft und Verzicht zu tun und ist manchmal echt hart - es ist viel einfacher, vor sich hinzuleben und die Fülle bereitwillig anzunehmen. Doch das ganze macht etwas mit uns, verändert uns, macht uns gleichgültig gegenüber den wirklich schönen Momenten und Dingen des Lebens. Diese ständige Massen-Überflutung und Überreizung stellt für mich persönlich eine ziemliche Überforderung dar.
Wenn ich den Fernseher einschalte, habe ich die Wahl zwischen hunderten von Sendern, wenn ich ins Kino will, lacht von jedem Plakat ein sagenhaft sehenswerter Film, wenn ich ein mickriges Glas Gurken kaufen will, habe ich die Auswahl von mehr als 20 Gurkengläsern. Hilfe!!! Nicht falsch verstehen, ich bin kein Gegner der Wahlfreiheit, sie ist in einer freien und demokratischen Gesellschaft gut und wichtig. Doch diese Fülle an einfach allem ringt einem täglich haufenweise Entscheidungen ab, die mir persönlich manchmal zu viele sind. Deshalb ist mein neues Glücks-Credo: der bewusste Verzicht verschafft kostbare und wunderschön intensive Momente.
Hier nun das Rezept des Käsekuchens:
Wird eine runde Tortenform verwendet, so ist die doppelte Menge des Rezeptes zuzubereiten. Ich habe mich mit einer Kastenform begnügt.
Zutaten:
100 g Dinkel-Vollkornmehl
50 g Zucker
1 TL Weinsteinbackpulver
1 Ei
37 g Butter
500 g Topfen (2 Pkg.)
80 g Zucker
1 Pkg. Vanillezucker
2 Eier
1/4 l Milch
1/2 Pkg. Puddingpulver
Saft einer halben Zitrone
100 g Himbeeren (bzw. andere Beeren)
Zubereitung:
- Mürbteig bereiten: Mehl auf die Arbeitsfläche geben, Butter in Flöckchen, Zucker und Backpulver dazugeben. In eine Mulde das Ei geben. Alles miteinander verkneten, sodass ein fester Teig entsteht. Sollte er zu klebrig sein, so kann noch etwas Mehl dazugegeben werden.
- Teig in Folie wickeln und im Kühlschrank mind. eine halbe Stunden rasten lassen.
- In der Zwischenzeit kann die Fülle bereitet werden: Alle Zutaten (Topfen, Zucker, Vanillezucker, Eier, Milch, Puddingpulver und Zitrone) miteinander verrühren und zum Schluss die Himbeeren unterheben. Nicht erschrecken, die Masse ist relativ flüssig - durch die Eier und das Puddingpulver (Stärke) stockt die Topfenmasse beim Backen sofort an.
- Backrohr auf 180° C vorheizen.
- Kuchenform mit Butter einfetten. Den Mürbteig aus dem Kühlschrank nehmen und portionsweise in die Form drücken. Der Rand kann ruhig 3-4 cm hoch sein.
- Die Topfenmasse in die Form füllen und ab ins Backrohr.
- Bei 180° C ca. 1 Stunde backen.
Genießt diesen tollen Kuchen :)
Wie geht es mir nach zwei zuckerfreien Wochen?
Die auffallendste Veränderung ist, dass ich seit einer Woche sehr gut schlafe. Ob das auf den Zuckerverzicht oder auf den seit kurzem beruflich-bedingten, reduzierten Stresspegel zurückzuführen ist, lässt sich nicht genau sagen. Wahrscheinlich ist die verbesserte Schlafqualität ein Zusammspiel dieser beider Faktoren. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass die Waage geringfügig weniger anzeigt. Zudem merke ich eine gesteigerte Leistungsfähigkeit, kann mich besser und länger konzentrieren, bin fokussierter und lasse mich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Was daran liegen könnte, dass ich täglich etwa eine Handvoll Nüsse zu mir nehme, deren Inhaltsstoffe (Omega-3-Fettsäuren) sich positiv auf die Gehirnaktivität auswirken.
Woche 3 kann kommen.
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